Das Ruhegebet ist für mich ein Gebet der Verwandlung. Die Zeit der Stille im Ruhegebet und meine Hingabe die ich täglich vor Gott bringe, hat eine solch verwandelnde Kraft, vor der ich immer wieder staunend und faszinierend stehe. Gott zieht mich im wahrsten Sinne in seine Nähe so hat und wird sich sicher auch weiterhin mein Leben und mein Glaube, vertrauend auf Gott hin, nach und nach verwandeln.

 

Christa Betzwieser
Lehrende des Ruhegebetes

 


Ruhegebet – Fragen und Antworten

Auszug aus dem Buch von Pfarrer Dr. Peter Dyckhoff

Erster Teil: Hinführen zum Ruhegebet
2. Lebensaktivität durch Ruhe

Über Erfahrungen schweigen

„Ich habe des Öfteren in der Literatur zum Ruhegebet gele­sen, dass man über seine Gebetserfahrungen möglichst nicht sprechen sollte. Doch das Herz ist davon voll. Warum wird das Schweigen empfohlen?“

Es gibt Menschen, die müssen über jede Erfahrung, die sie gemacht haben, sofort mit jemandem sprechen. Allzu oft nur drängen sie sich dabei anderen auf und ernten auf die Dauer Ablehnung. Andere hingegen – und das sind die Klügeren – behalten erst einmal alles für sich und berichten erst von ihren Erfahrungen, wenn sie danach gefragt werden. Oft dauert es lange, ein Gefragter zu sein. Wenn wir jedoch die stille Zeit vorher – trotz Zweifelns an uns selbst und trotz des Einsamseins – ausgehalten und überstanden haben, werden wir umso mehr Freude und Dankbarkeit empfinden, wenn andere gespannt auf eine Antwort von uns warten. Ein wahrhaft Betender drängt sich niemandem auf, sondern erkennt den rechten Zeitpunkt, um dann aus seinem Herzen die Wahrheit zu reden. So sollte es mit den Erfahrungen des Ruhegebetes sein wie auch mit dem Wissen, das jemand durch seinen Lehrer oder durch Lektüre erworben hat. Es ist nur allzu gut verstehbar, dass wir gern das, was uns zur Befreiung hilft und immer neu zu Gutem bewegt, auch anderen mitteilen möchten. Doch vorerst ist Zurückhaltung geboten, denn wir könnten durch unseren voreiligen Enthusiasmus abstoßend wirken oder gar Erwartungen schüren, die dann von jemand anderem nicht erreicht werden.
Es ist also ratsam, vorerst mit den guten Ergebnissen des Ruhegebetes zurückhaltend zu sein und sich niemandem aufzudrängen – besonders, wenn wir nicht gefragt sind. Ausgenommen davon ist selbstverständlich unser geistlicher Begleiter oder ein Gott naher Mensch, zu dem wir Vertrauen haben. Es wird eine Zeit kommen, in der man uns fragt, was bei uns die auffallend positiven Veränderungen bewirkt hat. Wir sollten dann klar, aber kurz antworten und den anderen nicht mit zu vielen Worten überhäufen. Je mehr wir unser Geheimnis für uns behalten, umso größer ist die Wirkkraft nach außen.
Ein Mönch, der Gottes Nähe und Liebe ausstrahlte und zu dem viele Menschen kamen, um seinen Segen und Hilfe zu erbitten, sagte, nachdem er gefragt wurde, warum er immer so schweigsam sei: »Ehe ich ein Wort an die Menschen richte, richte ich zuvor hundert an Gott!«